Ihr treuester Mitarbeiter arbeitet seit Jahren ohne Gehalt

In Ihrem Kopf arbeitet ein Mitarbeiter, der nie Urlaub nimmt.

Er war schon da, bevor Sie Ihre erste Führungsaufgabe hatten. Er kommt morgens vor Ihnen und geht nachts nach Ihnen. Er hat nie eine Gehaltserhöhung verlangt. Er hat nie gekündigt.

Er ist ein Satz.

Vielleicht heißt er „Egal was ich mache, es reicht nicht.“

Vielleicht „Wenn ich es nicht selbst mache, wird es nichts.“

Oder „Bloß keinen Fehler.“

Und in Firmen arbeiten seine Kollegen: „Das haben wir immer so gemacht.“ „Bei uns geht das nicht.“ „Der Kunde will das so.“

Er hat es gut gemeint

Bevor wir ihn verabschieden, ein fairer Blick auf seine Leistung. Denn dieser Satz hat gearbeitet. Treu. Unbefristet. Ohne Gage.

Er wollte Sie schützen. Vor Stillstand. Vor Blamage. Vor dem Moment, in dem jemand fragt: „War’s das schon?“

Dafür: danke.

Nur eine Nachricht hat er verpasst. Sie sind längst weiter. Ihr Team auch. Und die Welt da draußen sowieso, mit KI, neuen Kunden, neuen Wegen.

Der Satz macht immer noch den Job von damals. Und genau das wird teuer.

Kein Aufbruch ohne Abschied

Ich habe über hundert Trauerreden gehalten. Dabei habe ich etwas gelernt, das in jeder Firma gilt: Ein guter Abschied macht Platz. Wer das Alte würdigt, kann es loslassen. Wer es einfach wegschiebt, trägt es weiter mit sich herum.

Deshalb bekommen alte Sätze bei mir eine Abschiedsrede. Mit Humor. Mit Respekt. Und mit einem klaren Ende.

Dann ist Platz für Neues.

Die Abschiedsrede in vier Schritten

1. Den Satz finden.

Fragen Sie sich: Welcher Satz läuft bei mir, wenn es eng wird? Wenn ein Projekt kippt, wenn ein Kunde abspringt, wenn um 22 Uhr noch Mails kommen? Schreiben Sie ihn wörtlich auf. Mit Punkt.

2. Danke sagen.

Wovor wollte er Sie schützen? Schreiben Sie es hin. „Du wolltest, dass ich nie wieder so dastehe wie 2009.“ Das ist kein Kitsch. Das ist Respekt vor dem, was er geleistet hat.

3. In Rente schicken.

Laut. Am besten vor einem Menschen, dem Sie vertrauen. „Dauervertrag beendet. Schreibtisch geräumt. Ab heute: wohlverdiente Rente.“ Ja, man kommt sich kurz albern vor. Genau das hilft.

4. Den Nachfolger einstellen.

Der neue Satz sitzt schon am Schreibtisch. Er ist positiv, steht im Präsens und endet mit Punkt. Aus „Egal was ich mache, es reicht nicht.“ wird zum Beispiel: „Alles, was ich tue, ist herausragend.“ Probezeit: entfällt.

Und nach 30 Tagen schauen Sie nach: Was war Ihr erstes Mal, seit der Neue da ist?

Und in der Führungsrunde?

Das Gleiche geht mit Firmensätzen. Fragen Sie in der nächsten Runde: „Welcher Satz läuft bei uns in Dauerschleife?“ Nach zehn Sekunden Stille kommt der erste. Nach einer Minute haben Sie fünf.

Wählen Sie einen. Halten Sie ihm gemeinsam die Abschiedsrede. Und stellen Sie gemeinsam den Nachfolger ein. Aus „Das haben wir immer so gemacht.“ wird „Wir probieren das vier Wochen lang.“

Sie werden merken, wie leicht es im Raum wird. Weil endlich jemand ausspricht, was alle längst wissen.

Ihr Satz bekommt seine Rede

Welcher Satz arbeitet bei Ihnen noch?

Schicken Sie ihn in Rente. Sie wählen den Satz, die Rede beginnt sofort. Die ganze Rede schicke ich Ihnen per Mail, und binnen zwei Werktagen schreibe ich Ihnen persönlich, was der Satz Sie bis heute gekostet hat.

Fragen und Antworten

Wie verabschiedet man alte Gewohnheiten im Team?

Mit einem Abschied, der das Alte würdigt: den Satz finden, der in Dauerschleife läuft, ihm danken, ihn gemeinsam in Rente schicken und einen Nachfolger einstellen. Aus „Das haben wir immer so gemacht.“ wird zum Beispiel „Wir probieren das vier Wochen lang.“

Was ist eine Abschiedsrede für alte Sätze?

Eine kurze Rede mit Humor und Respekt für einen Satz, der jahrelang gearbeitet hat und jetzt Platz machen darf. Sie würdigt, wovor er schützen wollte, beendet seinen Dienst und stellt den neuen Satz vor.

Petra Wagener

Petra Wagener

Speakerin und Begleiterin für Geschäftsführungen im Mittelstand. Vom Schweigen in die Entscheidung.

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